Wie können wir über Opfer reden?

Missbrauchsopfer, Terroropfer, Katastrophenopfer – Opfer dominieren den öffentlichen Diskurs und die Berichterstattung in den Medien. Aber sie werden allzu oft als moralische oder politische Waffe missbraucht. Warum ist das so? Und wie könnte man sich rationaler über Opfer verständigen?

Das Opfer ist allgegenwärtig im zeitgenössischen medialen Diskurs. Kirstin Breitenfellner rekonstruiert die Geschichte dieses oft missbrauchten Begriffs und hinterfragt seine Verwendung. Sie beleuchtet die anthropologischen und religiösen Wurzeln des „Opfers“ und entlarvt den Prozess der Schuldzuschreibung und des Abstellens von Sündenböcken als Akt kollektiver Gewalt, der auf der Schwelle zwischen dem Heiligen und Profanen steht. Im Zentrum des Buchs steht die vertrackte Beziehung zwischen Opfern, Tätern und selbsternannten Rettern, die nicht selten zu Verfolgern werden. Letztere sind im Zeitalter der sozialen Netzwerke nicht nur Journalisten, sondern wir alle. Am Schluss dieses Parforceritts legt die Autorin vier Vorschläge für eine ehrlichere, rationalere Berichterstattung über Opfer und Täter vor. (Klappentext)

Interview auf Radio FM4, Im Sumpf, So, 11.1.2018, 21 Uhr

Wir Opfer. Warum der Sündenbock unsere Kultur bestimmt

 

RADIOINTERVIEWS UND PODCASTS

 

„Schuld sind die anderen", SWR2 Forum, Diskussion mit Kirstin Breitenfellner, Rolf Pohl und Martin Treml, 6.7.2017

 

Radio Ö1, Mo-Fr, 20.–24.1., 17.55–18 Uhr, „Betrifft Geschichte“

 

Radio fm4, So, 26.1., 21–23 Uhr, „Im Sumpf“

 

Deutschlandradio, Fr, 29.8., „Büchermarkt“

 

Podcast der Buchpräsentation am 2.10.2013 in der Hauptbücherei Wien, Lesung und Diskussion mit Paulus Hochgatterer (Autor, Kinderpsychiater), Florian Klenk (Justizexperte und Chefredakteur des „Falter”), Moderation: Anne-Catherine Simon („Die Presse”)

 

Studiogespräch „Im Kontext. Sachbücher und Themen", Radio ö1, 27.9.2013

„Ein intelligent, sachlich und kompetent vorgetragener Untersuchungsgang (…), ein lesenswerter Ritt durch die verschiedenartigen Opfer, die sich in die Kulturgeschichte der Menschheit eingeschrieben haben. (…) eine fein komponierte, (…) breit recherchierte und gut durchgearbeitete intellektuelle Opferspeise.“

(Matthias Eckoldt, Büchermarkt, Deutschlandfunk, 29.8.2014)

 

REZENSIONEN:

 

„Zur rechten Zeit erscheint in dieser Situation ein Buch auf Deutsch, dessen Thema schon die österreichische Journalistin Kirstin Breitenfellner eindrucksvoll behandelt hat. Die Opferrolle sei die vielleicht mächtigste heute, kritisierte sie im Buch „Wir Opfer“; das behindere einen „politischen Diskurs, bei dem es um Freiheit und Mündigkeit geht“.

(Anne-Catherine Simon, Die Presse, 15.1.2016)

 

„Das Buch zeichnet sich durch kritische, säuberlich recherchierte als auch historisch belegte Inhalte (…) aus, die Schwarzweißmalerei keinen Platz bieten. Trotz des durchwegs vorhandenen akademischen Sprachgebrauchs liest sich das Werk keinesfalls wie eine starre Faktenansammlung. Jedes Kapitel steht für sich selbst, was das Überspringen von bestimmten Bereichen möglich macht.“

(dekadedrei, 13.2.2014)

 

„Breitenfellner stellt gründliche Recherche und sachliche Darstellung über Interpretationslust oder Welterklärungs-Ansprüche. Gerade deswegen lässt sich ihre Stimme als eine der anregendsten im Getöse um gesellschaftliche und mediale Mechanismen einordnen.“

(Andreas Kremla, Buchkultur 152, Februar/März 2014)

 

„Kirstin Breitenfellner (…) publiziert regelmäßig im "Falter". Sie hat dort in Form einer Titelgeschichte auch den Opferbegriff zur Diskussion gestellt (…). Extrem gegensätzliche, jedenfalls nicht durch ein Übermaß an Ausgewogenheit charakterisierte Reaktionen von begeisterter Zustimmung bis zu wütender Ablehnung haben sie zur Einsicht gebracht, dass die Zeitung nicht die geeignete Plattform für eine differenzierte Auseinandersetzung des Themas ist. So tut sie es denn hier auf einer Länge von fast 300 Seiten.“

(Bruno Jaschke, Wiener Zeitung, 18.1.2014)

 

„Unterhaltsame Lektüre entlang der Höhen und Tiefen des Opferbegriffs, seiner Ambivalenz, seiner archetypisch wirksamen Stereotype wie seiner medialen Inszenierung.“

(Johanna Rahner, Christ in der Gegenwart, 13.10.2013)

 

„Für mich ist klar, dass ich dieses Buch nicht das letzte Mal in der Hand gehabt haben werde.“

(Heike Baller, www.koelner-leselust.de, 19.11.2013)

 

 

Wie ein Monster entsteht. Zur Konstruktion des anderen in Rassismus und Antisemitismus

 

 

Hg. von Kirstin Breitenfellner und Charlotte Kohn-Ley. Mit Beiträgen von Kirstin Breitenfellner, Adolf Holl, Michael Ley, Peter Strasser, Andrzej Szczypiorski, Klaus Taschwer. Bodenheim 1998 (Philo); darin: Physiognomie und Charakter. Die ”Wissenschaft” der Physiognomik von Lavater bis zum Nationalsozialismus, S. 56–76; Der ”jüdische Fuß” und die ”jüdische Nase”. Physiognomik, Medizingeschichte und Antisemitismus und 19. und 20. Jahrhundert, S. 103–120; Zwischen Opportunismus und Widerstand. Ludwig Ferdinand Clauss: Zur Biographie eines deutschen Rassentheoretikers, S. 1, 260 S.; darin: Physiognomie und Charakter. Die ”Wissenschaft” der Physiognomik von Lavater bis zum Nationalsozialismus, S. 56–76; Der ”jüdische Fuß” und die ”jüdische Nase”. Physiognomik, Medizingeschichte und Antisemitismus und 19. und 20. Jahrhundert, S. 103–120; Zwischen Opportunismus und Widerstand. Ludwig Ferdinand Clauss: Zur Biographie eines deutschen Rassentheoretikers, S. 181–215

 

 

Lavaters Schatten. Physiognomie und Charakter bei Ganghofer, Fontane und Döblin

 

 

Mit einem Exkurs über den Verbrecher als literarische Gestalt.  Dresden, München 2000 (Dresden University Press) (vergriffen, über die Autorin erhältlich)

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Kirstin Breitenfellner